Verstopfter Abfluss? Du greifst zur Rohrreinigung aus der Flasche — und bezahlst später eine Großreparatur. Ich habe bemerkt, dass viele Haushalte in Deutschland erst zum Klempner gehen, wenn das Rohr schon beschädigt ist.
Warum Du das jetzt lesen solltest: Weil viele Reiniger nicht nur das Haar oder Fett angreifen, sondern langfristig Dichtungen, Kunststoff und sogar Lötstellen zerstören. Ein falscher Tropfen kann mehrere hundert Euro kosten.
Warum diese Reiniger so beliebt — und so gefährlich
Kurz gesagt: Chemische Rohrreiniger wirken schnell, der Effekt ist befriedigend. Aber sie sind oft ätzend — und arbeiten wie ein Kaffeefilter, der nicht nur Schmutz, sondern auch Teile des Filters selbst auflöst.
Die gängigen Typen und was sie anrichten
- Natronlauge (Ätznatron): Löst Fett und Protein — greift dabei aber Gummi-Dichtungen und manche Kunststoffe an.
- Schwefelsäure und starke Säuren: Sehr schnell, sehr heiß — können PVC, Klebestellen und Gummiteile angreifen.
- Organische Lösungsmittel (z. B. chlorhaltige Mittel): Zersetzen Ablagerungen, aber schädigen Dichtungen und sind giftig beim Einatmen.
- Enzymatische Reiniger: Langsamer, schonender — meist die schonendste Wahl für langfristige Gesundheit der Leitung.
Starke Säuren und Laugen fressen Dichtungen und Rohre — oft unbemerkt. Gerade in alten Häusern mit Grauguss- oder Kupferleitungen entstehen anfangs kleine Schäden, die Monate später zu Lecks werden.
Was Installateure oft verschweigen
In meiner Praxis sehe ich immer wieder die gleichen Szenen: Der Installateur empfiehlt ein Produkt — weil er es kennt oder weil es schnell wirkt — und nennt nicht die Langzeitschäden.

- Viele übersehen die Wirkung auf Dichtungen: Austausch erforderlich, teure Arbeitszeit.
- Manchmal wird die „chemische Lösung“ vorgeschlagen, statt erst mechanisch zu prüfen (Siphon, Spirale, Kamera).
- Es wird selten darauf hingewiesen, dass das Mischen von Reinigern gefährlich ist — Gasentwicklung, Hitze, Explosionen.
Mythen, die Du löschen kannst
- Mythos: „Je stärker, desto besser“ — Realität: Kurzfristig ja, langfristig oft teurer.
- Mythos: „Rohrreiniger sind harmlos für alle Rohre“ — Realität: PVC und Gummi reagieren empfindlich.
- Mythos: „Wenn es nach 10 Minuten nicht weg ist, muss mehr rein“ — Realität: Gefahr von Mischreaktionen.
Was Du jetzt praktisch tun kannst (Schritt-für-Schritt)
Bevor Du zur Flasche greifst: Atme durch. Hier ein Ablauf, den ich wirklich empfehle — getestet, mehrfach angewendet.
- 1) Stopp! Gieße nichts weiter nach, wenn schon ein Reiniger drin ist.
- 2) Plunger einsetzen: Abdeckung der Überlauföffnung (Waschbecken), kräftig 10–20 Mal pumpen.
- 3) Siphon ausbauen: Eimer drunter, Muttern lösen, Siphon säubern — kostet nur 0–5€ und klärt oft das Problem.
- 4) Handspirale (Kabelspirale) aus dem Baumarkt: Einführung, Drehen im Uhrzeigersinn, rausziehen. Kosten: ca. 10–40€ bei OBI, Hornbach, Bauhaus.
- 5) Enzymreiniger über Nacht einwirken lassen: Verträglich für Rohre, besonders bei organischen Ablagerungen.
- 6) Kamerainspektion anfragen, wenn wiederkehrende Verstopfung: Vermeidet unnötige Chemie; Preis in DE oft 80–150€.
By the way, wenn jemand Dir vorschlägt, sofort Schwefelsäure zu kippen, lehne ab — das ist meist teurer als eine ehrliche Diagnose. Und niemals Produkte mischen.
Lokale Realität in Deutschland: Woran Du denken solltest
Hartes Wasser (Kalk) in vielen Regionen, alte Mehrfamilienhäuser mit verzinkten Leitungen, und Baumärkte an jeder Ecke (Bauhaus, Hornbach, OBI, Toom). Das heißt:
- Bei Kalkablagerungen helfen mechanische Methoden oder spezielle Kalklöser, keine ätzenden Universalreiniger.
- In Altbauwohnungen sind Lötstellen und alte Dichtungen besonders empfindlich.
- Notdienste sind teuer — ein Klempnerbesuch am Wochenende kann 150–300€ kosten.

Wenn es schon zu spät ist — Reparaturwege und Kosten
Ich habe bemerkt: Viele rufen erst den Installateur, wenn Wasser sichtbar austritt. Dann bringt das meistens teure Maßnahmen mit sich.
- Kleinreparatur / Austausch Siphon: 30–120€ inklusive Material.
- Kamerainspektion + gezielte Reparatur: 80–300€.
- Rohrsanierung (Inliner) oder größere Erneuerung: mehrere hundert bis tausend Euro, abhängig von Länge und Zugang.
Nicht jede Chemiekeule ist harmlos — oft ist sie die teurere Reparatur danach.
Ein Bonus-Hack, den kaum jemand nennt
Viele übersehen einfache Prävention: Setze Haarsiebe in Dusche und Waschbecken ein. Sie kosten 2–8€ und sparen teure Einsätze. Außerdem einmal im Monat heißes Wasser (nicht kochend) und etwas Spülmittel durchlaufen lassen kann fetthaltige Ablagerung reduzieren — in Haushalten mit Kunststoffrohren vorsichtig dosieren.
Fazit
Du willst schnell Abhilfe? Klar. Aber denk daran: Schnelle Chemie ersetzt keine Diagnose. In meiner Praxis zahlt sich oft erst die mechanische Prüfung oder eine Kamerainspektion aus — weniger Drama, weniger Kosten.
Wie hast Du Deine letzte Verstopfung gelöst — Chemie, Spirale oder der Installateur? Teile Deine Erfahrung unten.









