Du entdeckst morgens einen feinen Kratzer im Parkett und sofort tauchen Bilder von teuren Reparaturen bei Höffner oder IKEA auf. Viele rufen direkt den Handwerker — dabei hilft manchmal etwas Zahnpasta und ein ruhiges Händchen.
Ich habe das selbst ausprobiert: Nicht jede Paste, nicht jeder Kratzer — aber in vielen Fällen reicht ein einfacher Hausmittel-Trick, den Möbelhäuser gern verschweigen. Lies weiter, bevor du 50–150 € für einen „Schnellservice“ ausgibst.
Warum manche Leute Zahnpasta vorschlagen
Zahnpasta (die klassische weiße, nicht das gel) enthält feine Abrasiv-Partikel, die sehr sanft Oberflächen polieren können. Bei oberflächlichen, klaren Schleifspuren kann das leichte Aufrauen und anschließende Polieren den Kratzer optisch mildern.
Wichtig: Das ist ein optischer Notfall-Fix, kein Ersatz für echte Parkett-Reparatur.

Wann funktioniert es — und wann nicht
- Funktioniert gut bei: sehr feinen, oberflächlichen Kratzern in geöltem oder unversiegeltem Holz.
- Nicht geeignet bei: tiefen Kratzern, abgeplatzen Lackstellen oder bei Hochglanz-Lack (du könntest die Oberfläche schädigen).
- Profi-Alarm: Sind Holzfasern verletzt oder das Parkett farblich offen, dann hilft nur Nachbehandlung mit Wachs/Marker oder Profi-Schleifen.
Der Handwerker-Notfalltrick (Schritt für Schritt)
Ich beschreibe hier die Variante, die ich in der Praxis am sichersten fand — testbar, reversibel und günstig.
- Materialien: weiße, nicht-gel Zahnpasta; weiches Baumwolltuch; Wattestäbchen; lauwarmes Wasser; optional: farbiger Holzstift (Möbel-Marker) und Wachs-Stift (erhältlich bei OBI/Hornbach für ~3–12 €).
- Zunächst: Teste IMMER an einer unauffälligen Stelle, z. B. unter dem Sofa oder am Rand des Raumes.
So gehst du vor:
- 1. Fläche reinigen: Staub und Schmutz mit feuchtem Tuch entfernen; trocknen lassen.
- 2. Kleine Menge Zahnpasta (erbsengroß) auf das Wattestäbchen geben.
- 3. Sanft entlang der Holzmaserung reiben — nicht schrubben. 10–20 Sekunden reichen.
- 4. Mit feuchtem Tuch abwischen, trocken polieren.
- 5. Ergebnis prüfen: Ist der Kratzer unauffälliger, mit Möbel-Marker nachtonen und mit Wachs versiegeln.
Warum das so wirkt — kurz erklärt
Die Paste poliert feine Kanten weg und füllt nichts dauerhaft. Wenn Farbe oder Lack fehlt, brauchst du danach einen Farbstift oder Wachs. Denk an Winter in Deutschland: durch trockene Heizungsluft öffnen sich Fugen — dann sieht jedes kleine Kratzen größer aus.
Günstige, sichere Alternativen (die Möbelhäuser nicht immer erwähnen)
- Möbel-Marker: 3–10 € bei Bauhaus, OBI, Hornbach — schnell, farblich anpassbar.
- Wachs-Sticks / Reparatur-Kits: 5–20 € — füllen kleine Rillen, mattieren den Ton an.
- Walnuss-Trick: Die Öle der Walnuss dunkeln Holz leicht nach — kurzfristig kaschierend.
- Professionelles Nachölen oder Schrammen-Set: 20–60 € für Selbstbehandlung; Profi-Schleifen kostet oft mehrere hundert Euro.

Pflege-Tipps, damit Kratzer seltener werden
- Filzgleiter unter Stühlen anbringen (ab 1 €/Stück bei Bauhaus).
- Rutschfeste Teppiche in Laufzonen auslegen — gerade in nassen Jahreszeiten.
- Raumluftfeuchte 40–60 % halten: Im Winter sorgt ein Luftbefeuchter (ab ~30 €) dafür, dass Parkett nicht so stark arbeitet.
- Keine harten Gummisohlen auf dem Parkett ziehen — die sind echte Feinde.
Vor und nach: Erwartungen managen
Erwarte kein Wunder. Ich habe vergeblich versucht, tiefe Kratzer mit Zahnpasta „wegzaubern“ zu lassen — das klappt nicht. Was funktioniert: kleine Makel unsichtbar machen, bis du Zeit für die richtige Reparatur hast.
Übrigens, die größten Möbelhäuser in Deutschland (IKEA, Höffner, Roller, Poco) verdienen am schnellen Austausch oder Komplettservice. Mit ein paar Euro und etwas Geduld kannst du oft selbst retten, was du für teuer verkauft bekommst.
Kurzcheck: Sollte ich Zahnpasta probieren?
- Ja, wenn: Kratzer sehr fein sind und die Oberfläche nicht glänzend lackiert ist.
- Nein, wenn: Holz offenliegt, der Kratzer tief ist oder Hochglanz-Lack betroffen ist.
- Immer: Erst an unauffälliger Stelle testen.
Mein Fazit: Für kleine Notfälle und als günstige Erste-Hilfe-Maßnahme ist der Zahnpasta-Trick brauchbar — aber keine Dauerlösung. Besser auf Dauer sind Möbelmarker, Wachs oder ein Reparatur-Kit aus dem Baumarkt.
Und jetzt du: Hast du den Zahnpasta-Trick schon ausprobiert — mit Erfolg oder Desaster? Schreib deine Erfahrung, welcher Parketttyp du hast und welche Methode bei dir am besten funktionierte.









