Du stolperst über den Kratzer vor dem Sofa und denkst: „Das ist mein Ende für die Mietkaution.“ Ich habe das selbst ausprobiert — mit einer billigen Zahnpasta aus dem DM — und war zuerst skeptisch. Warum du das jetzt lesen solltest: Im Winter zeigen Heizungen Kratzer deutlicher, und professionelle Nacharbeit kostet oft deutlich mehr als ein Wochenende-Experiment.
Warum das eigentlich funktioniert — und wo es scheitert
Viele übersehen einen einfachen Punkt: Zahnpasta ist leicht abrasiv. Bei feinen, oberflächlichen Kratzern kann sie die Kante glätten, so dass sie aus dem Blickfeld verschwindet. Aber es ist kein Wundermittel für tiefe Rillen.
- Parkett ist nicht gleich Parkett: lackiertes Parkett reagiert anders als geöltes.
- Zahnpasta arbeitet wie sehr feines Schleifpapier — nur in kleinster Dosierung.
- Falsche Paste oder zu grobes Reiben kann die Oberfläche verschlimmern.
Die Chemie kurz erklärt (ohne Labor)
Weiße, nicht abrasive Zahnpasta enthält sanfte Schleifpartikel und Binde-Substanzen. Diese Partikel polieren minimal, füllen aber nichts auf. Das Ergebnis: Der Kratzer wirkt weniger sichtbar, weil Licht weniger stark bricht.

Wann du es auf gar keinen Fall probieren solltest
- Bei tiefen Einkerbungen — das ist Handwerksarbeit.
- An geölten Böden: Die Paste kann das Öl entfernen und die Farbe aufrauen.
- Bei teurem Altholz oder Designparkett lieber vorher Bilder machen und im Zweifel den Vermieter informieren.
Mein Step-by-Step-Hack: So habe ich kleine Kratzer unsichtbar gemacht
In meiner Praxis habe ich das an einem lackierten Wohnungsparkett getestet. Folge diesen Schritten — in Deutschland bekommst du alle Utensilien bei Obi, Hornbach oder sogar Rossmann.
- Materialien bereitlegen:
- weiße, nicht-Gel Zahnpasta
- weiches Mikrofasertuch
- Q‑Tip oder weicher Zahnstocher
- ein paar Tropfen neutralen Möbelöls oder Hartwachs (nur für lackierte Böden danach)
- Erst testen: Auf einer unauffälligen Stelle einen kleinen Tupfer auftragen — abwarten und prüfen.
- Sehr sparsam auftragen: Ein Reiskorn-großer Punkt reicht für eine 3–5 cm Stelle.
- Mit dem Q‑Tip sanft in kreisenden Bewegungen reiben (10–20 Sekunden).
- Mit feuchtem Tuch abwischen, danach trocken polieren.
- Ist das Ergebnis okay, mit Möbelöl oder einem Tropfen Hartwachs leicht einreiben — das schützt und gleicht Glanzunterschiede an.
Wichtig: Immer nur leicht reiben. Zu viel Druck entfernt mehr Lack als gewollt.
Alternativen, die Schreiner wirklich empfehlen
Wenn die Zahnpasta nichts bringt oder du unsicher bist, sind diese Optionen sinnvoller:
- Kratzerstifte oder Reparaturwachs aus dem Baumarkt — ideal für farbliche Angleichung.
- Feines Schleifpad + Nachlackieren: Professionell, wenn die Fläche groß ist.
- Schreiner/Handwerker anrufen — manchmal ist eine kleine Reparatur günstiger als du denkst (vor allem bei Mietrückgabe).
Ein Bild zur Entscheidung
Stell es dir so vor: Zahnpasta ist wie ein ganz feines Radiergummi für die Oberfläche. Es kann das Schriftbild verblassen lassen, aber nicht die Seite wiederherstellen.

Kurze Checkliste vor dem Start
- Ist der Kratzer nur oberflächlich?
- Ist dein Parkett lackiert oder geölt?
- Hast du getestet und ein Foto gemacht (für Vermieter)?
Ich habe ein paar Wohnungen gesehen, wo einfacher DIY-Einsatz eine große optische Verbesserung brachte — und Schreiner nur noch den Kopf schüttelten, weil sie erst später anlaufen mussten. Aber ich habe genauso Fälle erlebt, wo man mit Zahnpasta den Lack matt gemacht hat. Deshalb: testen, sanft arbeiten, notfalls Profi holen.
Zum Schluss
Probier es aus, wenn es ein kleiner, oberflächlicher Kratzer ist — du sparst Zeit und oft auch Geld. Aber erwarte kein Wunder: Für tiefe Schäden bleibt der Profi die bessere Wahl.
Hast du es schon einmal mit Zahnpasta probiert oder willst du lieber einen Schreiner holen? Schreib kurz, was bei dir geholfen hat — ich bin gespannt auf eure besten (oder schlimmsten) Reparaturstories.









