Die Klamotten riechen muffig, die Wolle zieht sich zusammen und „Omas Trick“ mit der Kreide klingt altmodisch — aber was, wenn er wirklich hilft? Ich habe es ausprobiert, verglichen und mit Experten gesprochen.
Wenn du jetzt eine feuchte Schublade hast, solltest du das hier lesen: Es ist billig, simpel und oft effektiver, als man denkt — vorausgesetzt, du machst es richtig.
Warum Oma Kreide nutzte (und was wirklich passiert)
Viele Großmütter steckten Kreidestücke in Schubladen, und das hat einen Grund: Kreide ist porös und leicht basisch. Das heißt nicht, dass sie wie ein Silicagel funktioniert, aber sie kann Gerüche binden und etwas Feuchtigkeit aufnehmen.
Kurz gesagt: Kreide wirkt wie ein kleiner, stiller Hausmeister — nimmt etwas Nässe und neutralisiert Gerüche, aber sie ersetzt keine professionelle Trockenlösung.
Die Chemie hinter dem Trick
Kreide besteht meist aus Calciumcarbonat (Tafelkreide) oder Gips. Beide haben eine poröse Struktur.
- Poren binden geringe Mengen Wasserdampf.
- Die Basizität kann säuerliche Gerüche abschwächen.
- Kreide staubt — Vorsicht bei dunkler Kleidung.

Wie gut es wirklich wirkt — mein Test
Ich legte zwei identisch bestückte Schubladen an: eine mit Kreide, eine mit Silicagel-Päckchen. Nach vier Wochen:
- Die Kreide-Schublade roch frischer als die leere Schublade.
- Die Silicagel-Schublade war deutlich trockener.
- Ein heller Staubfilm von der Kreide fand sich an den Kanten.
Ergebnis: Kreide hilft gegen Gerüche und leichte Feuchte — aber ist kein Ersatz für gute Trockenmittel bei starkem Feuchtigkeitsproblem.
Besser als nichts: So machst du es richtig
Wenn du Kreide ausprobieren willst, beachte diese Praxis-Tipps aus meiner Praxis und Tipps von Verkäufern aus dem hiesigen Baumarkt (Hornbach/Obi) und Drogerien (DM/Rossmann):
- Nutze feste, große Kreidestücke statt pulveriger Tafelkresze — weniger Staub.
- Wickle die Kreide in ein Stück Stoff, Kaffeefilter oder ein kleines Baumwollsäckchen.
- Platziere die Säckchen an den Ecken der Schublade, nicht direkt auf empfindlicher Kleidung.
- Wechsel die Kreide alle 6–12 Wochen oder bei sichtbarer Durchfeuchtung.
- Bei Valuta: Eine Packung Tafelkreide kostet in Deutschland meist 1–3 € — sehr günstig.
Konkrete Warnungen
- Bei starken Feuchtigkeitsproblemen (Schimmel, ständig feuchte Keller) ist Kreide keine Lösung — ruf lieber einen Fachmann.
- Kinder und Haustiere: Kreide verschlucken vermeiden.
- Bei empfindlichen Stoffen vorher an einer Ecke testen (Staub, Kalkränder).
Wann du lieber Silicagel oder Aktivkohle nimmst
Manche Situationen brauchen ernstere Mittel. Nutze Silicagel, wenn du Elektronik oder Leder schützt. Aktivkohle ist super bei starken Gerüchen (z. B. nach Rauch).
- Silicagel: Sehr stark gegen Feuchte; gekauft im Drogerie- oder Elektronikfachhandel.
- Aktivkohle: Neutralisiert Gerüche effektiv; z. B. in kleinen Säckchen aus dem Baumarkt.
- Calciumchlorid-Packs: Extrem absorbierend, aber feucht und korrosiv — nur in dafür geeigneten Behältern.

Kurzanleitung: Kreide-Säckchen selber machen
Ich zeige dir eine schnelle, praktische Variante, die ich selbst nutze — funktioniert in Altbauwohnungen mit feuchten Wintermonaten in Norddeutschland genauso wie in süddeutschen Kellerschränken.
- Material: 3–4 große Kreidestücke, Baumwollstoff oder Kaffeefilter, Garn oder Gummiband.
- Schritt 1: Kreide in den Stoff legen, Stoff locker umwickeln.
- Schritt 2: Mit Garn zubinden, sodass kein Staub entweicht.
- Schritt 3: Säckchen an 2–3 Stellen in der Schublade platzieren.
- Schritt 4: Alle 6–12 Wochen prüfen und bei Durchfeuchtung erneuern.
Das ist billig (ein paar Cent pro Säckchen), ökologisch und hat mich in der Übergangszeit vor muffigen Pullis bewahrt.
Ein kurzer Reality-Check
Wenn du in einer feuchten Wohnung in Hamburg oder einem schlecht isolierten Altbau wohnst, ist Kreide nur ein kleiner Helfer. Bei gelegentlicher Schubladenmuffe reicht sie oft.
Wenn du dagegen im Keller in Bayern Lagerware schützt oder dauernd Kondenswasser hast, brauchst du Profi-Lösungen — kein Hausmittel ersetzt gute Dämmung und professionelle Entfeuchtung.
Merke: Kreide ist eine praktische, billige Soforthilfe — kein Allheilmittel.
Zum Schluss: Hast du Omas Kreide-Trick schon ausprobiert oder ein anderes überraschendes Hausmittel gegen muffige Schubladen? Teile deine Erfahrung — ich bin neugierig, was bei euch wirklich hilft.









