Deine Winterschuhe sind eingesaut von Streusalz und du denkst: „Schnell WD-40 drauf, dann ist alles wieder gut.“ Ich habe das auch ausprobiert — und bereut. Warum du das jetzt lesen solltest: Der Winter kommt, Salz frisst Leder und Klebstoffe, und ein vermeintlicher Schnelltrick kann Schuhe ruinieren, statt sie zu retten.
Warum dieser Trick so verführerisch ist
WD-40 wirkt schnell, riecht vertraut aus der Garage und scheint Wasser abzuweisen. Viele in Deutschland greifen in eilige Morgen zur Dose — vor dem Weg zur S-Bahn oder dem Wochenendspaziergang im Schnee.
Ich habe in meiner Praxis als Hobby-Schuhpfleger beobachtet: Kurzfristig glänzt alles, aber nach einigen Wochen zeigen sich Risse, klebrige Nähte oder abblätternde Sohlen.
Was Hersteller verschweigen — die harten Fakten
- WD-40 ist kein Imprägnierspray. Es enthält Lösungsmittel und Mineralöle, die kurzfristig Wasser verdrängen, aber langfristig Materialien angreifen.
- Das Spray kann Klebstoffe unter der Sohle aufweichen — das heißt: Ablösen oder aufgequollene Nähte.
- Es verändert die Atmungsaktivität von Leder und Textilien, wodurch Schwitzgeruch und Materialermüdung entstehen.
- Petroleum-basierte Stoffe ziehen Schmutz an: Schuhe sehen später dunkler und schneller dreckig aus.
- WD-40 ist brennbar — in engen Schuhkartons oder neben Heizungen riskant.
Ein Bild, das ich nie vergaß
Ich habe einmal einem Freund geholfen: Seine Lederschuhe waren zunächst wasserabweisend — nach zwei Wochen löste sich die Sohle an den Kanten. Der Schuster sagte: „Das ist oft WD-40.“ Harte Lektion.

Was wirklich hilft: getestete Alternativen
In Deutschland findest du gute Produkte im Schuhgeschäft, beim Schuster oder sogar bei REWE/OBI und dm: Silikonsprays und Wachspräparate von Collonil oder Nikwax sind geeigneter.
- Wachsbasierte Imprägnierungen für Glattleder (z. B. Lederbalsam mit Bienenwachs)
- Spezielle Nylonsprays für synthetische Materialien
- Atmungsaktive Imprägnier-Sprays für Membranen wie Gore-Tex
Praktischer Life-Hack: Boots richtig winterfest machen (Schritt-für-Schritt)
Kein Chemie-Experiment, sondern eine einfache Routine, die bei mir funktioniert hat — besonders in nassen, salzigen Wintern wie in Berlin oder München.
- Schritt 1: Schuhe bürsten (Salzreste mit weicher Bürste entfernen).
- Schritt 2: Mit feuchtem Tuch abwischen und an der Luft trocknen lassen (nicht auf der Heizung).
- Schritt 3: Bei Glattleder eine dünne Schicht Lederbalsam oder Wachs auftragen und gleichmäßig einmassieren.
- Schritt 4: Bei Textil- oder Membran-Schuhen ein passendes Imprägnierspray aus ca. 20–30 cm Entfernung auftragen.
- Schritt 5: Über Nacht ruhen lassen, am nächsten Tag bei Bedarf nachpolieren.
Tipps aus meiner Erfahrung:
- Behandle Schuhe vor dem ersten Flockenfall — einmal im Monat nachimprägnieren, wenn du täglich draußen bist.
- Für lange Strecken in Schneematsch: Wechseln von wasserdichten Schuhen zu trockenen Ersatzschuhen, wenn möglich.
- Bei teuren Lederschuhen lieber zum Schuster gehen — der kann Klebstoffschäden früh erkennen.
Was tun, wenn du trotzdem WD-40 benutzt hast?
Keine Panik — oft kann man Schäden mildern.

- Mit mildem Lederreiniger behandeln, um Ölrückstände zu reduzieren.
- Mehrfach mit Lederbalsam nähren, damit das Material Fett zurückerhält.
- Bei gelösten Sohlen sofort zum Schuster — Reparatur lohnt sich oft bei hochwertigen Schuhen.
By the way — eine Metapher
WD-40 auf Schuhen ist wie Cola zum Entfernen von Rost an einer mechanischen Stelle: Kurzfristig wirkt’s, langfristig frisst es Material weg. Nicht jede Garage-Lösung gehört an die Füße.
Kurz gesagt: WD-40 kaschiert Probleme, behebt sie nicht — und kann mehr kaputtmachen, als es rettet.
Zum Schluss
Wenn du deine Schuhe länger behalten willst, spare an der Dose aus der Garage und investiere 10–20 € in ein qualitativ hochwertiges Imprägnierspray oder Lederbalsam. Dein nächster Spaziergang durch verschneite Innenstädte oder S-Bahnhöfe wird es dir danken.
Hast du schon mal WD-40 an Schuhen ausprobiert — mit gutem oder schlechtem Ende? Teile deine Erfahrung unten.









