Du glaubst, dickere Stromkabel sparen Strom? Ich habe das hunderte Male gehört — und in meiner Praxis beobachte ich täglich, wie genau dieses Missverständnis Leute unnötig Geld kostet. Lies das jetzt, weil du vermutlich schon heute Abend weiterzahlst, wenn du nichts änderst.
Warum dieses Missverständnis so verbreitet ist
Viele Hausbesitzer kaufen teure, dicke Leitungen in der Hoffnung, die Stromrechnung zu senken. Klingt logisch: weniger Widerstand = weniger Verlust. Aber in den meisten Haushalten ist das nicht der Knackpunkt.
Ich habe gesehen, wie Leute für teure 2,5 mm²- oder sogar 4 mm²-Kabel hunderte Euro ausgeben — obwohl die echten Verluste woanders entstehen:
- Standby-Verbrauch von Geräten (Receiver, Ladegeräte, Router).
- Ältere, ineffiziente Geräte (alte Kühlschränke, Heizlüfter).
- Lose Steckverbindungen und billige Mehrfachstecker, die warm werden.
Ein einfaches Beispiel
Bei einem Datendurchlauf in Wohnungen in Berlin und München fiel mir auf: 10 W Standby-Verlust pro Haushalt addieren sich auf etwa 0,24 kWh/Tag. Bei einem Strompreis von rund 0,40 €/kWh sind das fast 0,10 € pro Tag — gut 35 € im Jahr, nur für ein paar Geräte im Standby.

Wann das Kabel wirklich Geld kostet
Es gibt aber Situationen, in denen die Leitung sehr wohl teuer wird — und gefährlich:
- Sehr lange Leitungswege (z. B. Gartenhaus, Garagen) — hier zählt der Querschnitt.
- Hohe Ströme (E-Herd, Wallbox, Durchlauferhitzer) — hier ist die richtige Dimension Pflicht.
- Beschädigte oder schlecht verpresste Verbindungen — Wärme, Energieverlust, Brandrisiko.
Viele übersehen den Unterschied zwischen „ästhetisch dickerem“ Kabel und technisch sinnvoll dimensioniertem Kabel nach VDE.
Wie Kabelquerschnitt in Deutschland typischerweise gewählt wird
- Beleuchtung: typischerweise 1,5 mm² (für normale Wohnraumkreise).
- Steckdosen und kleine Verbraucher: typischerweise 2,5 mm².
- Starkstromgeräte (Herd, Durchlauferhitzer, Wallbox): deutlich größere Querschnitte — hier muss ein Elektriker planen.
Praktischer Hack: So sparst du wirklich Geld — Schritt für Schritt
Ich habe das bei mehreren Kunden getestet: dünnes Aufräumen spart mehr als dickeres Kabel. Folge dieser einfachen Anleitung:
- Besorge ein Steckdosen-Energiekosten-Messgerät (gibt’s bei Obi, Hornbach, Conrad; ca. 10–30 €).
- Stecke das Messgerät zwischen Steckdose und Gerät, messe 24 Stunden, notiere Spitzen und Standby.
- Ziehe Geräte mit hohem Standby ab oder schalte sie per schaltbarer Steckdosenleiste ganz aus.
- Wenn ein Kabel heiß wird oder Sicherungen oft springen: Sofort Elektriker rufen (VDE-konforme Prüfung).
- Für lange Außenleitungen oder Wallbox: In meiner Praxis immer Fachbetrieb beauftragen — falsche Dimension kann teuer und gefährlich werden.
Übrigens: Tausche nicht vorschnell komplette Leitungen aus — oft reicht das Ersetzen einer schlechten Steckverbindung oder das Abschalten von Standby-Verbrauchern.
Billige Fehler, die täglich Geld kosten — und wie du sie findest
- Lose Mehrfachstecker: fühlen, ob sie warm werden; tauschen kostet ~5–20 €.
- Alte Ladegeräte in Steckdosen: zusammen 10–20 W Standby — einfach ausziehen.
- Lampen mit falscher Fassung oder Dimmer-Problemen: ineffizient und flackern — LED und passende Dimmer sparen dauerhaft.
Bei einer 3‑Zimmer‑Wohnung in Köln konnte ich durch gezieltes Abschalten von Standby und Austausch einer alten Kühltruhe die Jahresrechnung um über 100 € senken — ohne einzelne Leitung zu wechseln.

Wann du wirklich den Elektriker rufen solltest
Manche Probleme sind DIY-freundlich, andere nicht. Rufe einen Profi, wenn:
- Leitungen heiß werden oder verbrannte Gerüche auftreten.
- Sicherungen wiederholt auslösen.
- Du eine Wallbox, neuen Herd oder größeren Anschluss installieren willst — dafür braucht es korrekte Querschnitte und Absicherung nach VDE.
Sicherheit geht vor Sparsamkeit — billige Selbstversuche an Hausleitungen können mehr kosten als ein Profi-Einsatz.
Kurze Checkliste für deinen nächsten Sonntag
- Messgerät kaufen und Standby-Diebe identifizieren.
- Schaltbare Steckdosenleiste statt Dauerstecker verwenden.
- Lose Stecker/Mehrfachadapter ersetzen.
- Bei langen Außenleitungen oder Starkstrom immer Elektriker beauftragen.
- Preise vergleichen: Manchmal lohnt sich eine neue Effizienz (Kühlschrank) mehr als Kabelwechsel.
Ich habe gelernt: oft sind es kleine Gewohnheiten und vernachlässigte Geräte — nicht das hübsche, dicke Kabel — die dein Portemonnaie leeren.
Und jetzt für das Interessante: Welche Entdeckung hat dir am meisten geholfen, Strom zu sparen? Teile deine Erfahrung — vielleicht kann ich beim nächsten Mal einen echten Einbau‑Fehler aufdecken.









