Dein Kompost ist entweder ein matschiger Brei oder ein ewig langsamer Haufen, der nach Monaten kaum reift. Das ist frustrierend — vor allem wenn Du im Frühling frische Erde für Balkonkästen oder das Gemüsebeet brauchst. Lies weiter: Ich habe das in meinem Schrebergarten ausprobiert und eine einfache Zutat verändert alles.
Warum das mit normaler Biotonne oft schiefgeht
Viele werfen nur Küchenabfälle und Rasenschnitt auf den Haufen und wundern sich über Geruch und Fliegen. Ich habe bemerkt, dass genau das fehlt: Struktur und Kohlenstoff.
- Küchenabfälle sind „grün“ (stickstoffreich) und feucht.
- Ohne „braune“ Komponenten wird der Haufen anaerob, riecht und verrottet schlecht.
- Kartons liefern genau das: trockenes Kohlenstoffmaterial, Struktur und Poren.
Was Kartons wirklich im Kompost tun
Stell es Dir so vor: Karton wirkt wie ein Schwamm und ein Atmungsventil zugleich — er saugt überschüssige Feuchtigkeit auf und schafft Lufträume für Mikroben. Das beschleunigt die Zersetzung und reduziert Gestank.
- Verbessert die Belüftung: weniger Fäulnis, mehr Wärme.
- Balanciert das C:N-Verhältnis: Karton erhöht Kohlenstoffanteil.
- Schützt vor Vernässung bei Regen — wichtig in deutschen Wintern und nassen Frühlingen.
Ein überraschender Nebeneffekt
In meiner Praxis hat sich gezeigt: Kartons halten Schnecken von frischem Kompost fern. Sie lieben feuchte, kompakte Flächen — Karton schafft eine lockerere Struktur.

Welche Kartons verwenden — und welche nicht
Achtung: Nicht jeder Karton ist gleich gut. In Deutschland sind Wellpappe und braune Versandkartons ideal — oft kostenlos aus Paketlieferungen oder beim Supermarkt.
- Gut: unbedruckte Wellpappe, braune Umzugskartons.
- Meist vermeiden: stark lackierte, glänzende oder farbig bedruckte Kartons.
- Grundregel: Entferne Tesafilm, Plastikfenster und überflüssige Aufkleber.
Praktische Schritt-für-Schritt-Anleitung (Life-hack)
So mischst Du Karton richtig — schnell und ohne Spezialwerkzeug.
- Schritt 1: Kartons zerkleinern — reißen oder mit der Schere in ca. 5–10 cm Stücke schneiden.
- Schritt 2: Schichten beginnen — 10–20 cm „braune“ Karton-Schicht, dann 5–10 cm Küchenabfälle.
- Schritt 3: Feuchtigkeit prüfen — Fingerprobe: soll sich wie ein ausgewrungener Schwamm anfühlen.
- Schritt 4: Luft reinbringen — alle 2 Wochen wenden oder mit einer Forke auflockern.
- Schritt 5: Geduld haben — bei warmen Temperaturen 2–4 Monate, im Herbst/Winter länger.
Wenn Du einen Gartenhäcksler hast (bei OBI, Hornbach oder Bauhaus erhältlich), kannst Du Karton noch feiner zerkleinern — das beschleunigt den Prozess. Aber das Reißen per Hand funktioniert in den meisten Fällen vollkommen ausreichend.
Häufige Fehler — die ich selbst gemacht habe
- Zu viel Karton auf einmal: Der Haufen wird trocken und verlangsamt die Mikroben.
- Glänzende Drucke bleiben drin: Sie können Schadstoffe enthalten.
- Kein Wenden: Auch mit Karton braucht der Haufen Luft.
Was Du bei starkem Regen oder im Winter beachten solltest
In Deutschland regnet es oft und die Temperaturen fallen — das verlangsamt den Prozess. Karton hilft als Isolator und verhindert, dass der Haufen zu sehr verflüssigt.

- Bei Regen: eine Abdeckung aus alten Paletten oder einer Plane nutzen.
- Im Winter: dickere Kartonschichten als Isolation, weniger Wenden — trotzdem gelegentlich prüfen.
Kurzer Vergleich: Karton vs. Holzhackschnitzel
Beides ist braun und hilft. Aber Karton zersetzt sich schneller und ist meist kostenlos. Hackschnitzel bieten länger anhaltende Struktur, kosten aber oft Geld.
- Karton = schnellerer Nährstoffeintrag, günstiger.
- Hackschnitzel = langlebiger Strukturgeber, gut für dauerhafte Wege.
Mein Fazit nach mehreren Saisons: Karton ist kein Wundermittel, aber eine simple, günstige und effektive Zutat, die fast jeder Gärtner in Deutschland sofort einsetzen kann.
Jetzt Du: Mini-Experiment für die nächsten 30 Tage
Mach einen Test: Fülle zwei kleine Behälter — einer mit normalem Kompost, einer mit 20–30 % Kartonanteil. Beobachte Geruch, Feuchtigkeit und Temperatur. Ich war selbst überrascht, wie schnell der kartongefüllte Haufen wärmer wurde.
Was hast Du für Erfahrungen mit Karton im Kompost? Schreib es unten — ich bin gespannt, welche Tricks Ihr in der Nachbarschaft nutzt.









